Hausorgel von Heinrich Ammann von 1807. Foto: Markus Meier

Zur Eröffnung des Vereinsjahrs 2017

Mit dem neuen Jahr öffnen sich neue Türen für die St.Galler Orgelfreunde: Der neue Vereinspräsident Hans Peter Völkle und der erneuerte Vorstand setzen auf gute Winde. Dieses Bulletin gibt erste Einblicke in das Programm und lädt zur Jahresversammlung am 21. Februar ein. Und es wirft einen Blick voraus auf die erste Veranstaltung am 26. April im Ackerhus in Ebnat-Kappel, an der unter anderem die abgebildete Hausorgel von Heinrich Ammann erklingen wird.


Liebe St.Galler Orgelfreundinnen und Orgelfreunde
 
Es ist mir eine grosse Freude, Sie als neuer Präsident der OFSG im Vereinsjahr 2017 begrüssen zu dürfen. Nach dem stimmungsvollen Konzert am 25. Oktober 2016 von Willibald Guggenmos auf der Chororgel der Kathedrale fand anlässlich eines feinen Aperos die Stabsübergabe vom scheidenden zum neuen Vorstand statt. Gerne lade ich Sie daher in einer ersten Amtshandlung am Dienstag, den 21. Februar 2017, zu unserer 33. Jahresversammlung nach St. Mangen in St.Gallen ein. Die Einladung mit Traktandenliste und die Unterlagen finden Sie im vorliegenden Bulletin.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, dem ehemaligen Vorstand unter der Leitung des Präsidenten Walter Angehrn ganz herzlich für die langjährige innovative und umsichtige Vereinsführung zu danken. Der hervorragende Leistungsausweis des bisherigen Vorstands bedeutet für uns eine grosse Herausforderung, die wir aber gerne annehmen.

Nach unserer Wahl anlässlich der Jahresversammlung 2016 machte sich der neu zusammengesetzte Vorstand sofort daran, das Vereinsjahr 2017 vorzubereiten. Wir sind überzeugt, Ihnen auch in diesem Jahr ein vielfältiges und spannendes Programm bieten zu können. Die Kurzfassung des Jahresprogramms entnehmen Sie bitte dem vorliegenden Bulletin, weitere Erläuterungen dazu erhalten Sie an der Jahresversammlung.

Wir konnten zudem die Vakanzen im Vorstand neu besetzen: Als neue Mitglieder im Vorstand werden sich Eva Bachmann und Karl Lassauer zur Wahl stellen. Eva Bachmann übernimmt das Sekretariat und ist – zusammen mit Bernhard Ruchti und mir – für die Bulletins der OFSG verantwortlich. Als Journalistin und Dozentin an der ZHAW ist sie für diese Tätigkeiten bestimmt bestens gerüstet.

Karl Lassauer wird als Kassenwart amten. Er wirkte über viele Jahre als Soloposaunist im Sinfonieorchester St.Gallen und amtete als langjähriger Präsident und später Kassier der Sektion St.Gallen des Schweizerischen Musikerverbandes. Zudem verfügt er über ein profundes Wissen und Können im IT-Sektor, was für uns bestimmt von sehr grossem Wert sein wird.

Weiterhin dürfen wir auf die grosse Erfahrung der drei langjährigen Vorstandsmitglieder Manfred Böhme (Versand), Hansjörg Grädel (Webmaster) und Matthias Hugentobler (Programmausschuss) zählen. Seit der letzten Jahresversammlung ergänzen Claire Pasquier (Programmausschuss) und Bernhard Ruchti (Vizepräsident, Programmausschuss und Redaktionsteam) den Vorstand. Dass mit Claire Pasquier und
Bernhard Ruchti sowie den beiden Orgelbauern Hansjörg Grädel und Matthias Hugentobler insgesamt vier Fachleute aus der Orgelwelt im Vorstand Einsitz nehmen, bedeutet für mich eine zusätzliche grosse Hilfe.

Welche Ziele fassen wir ins Auge? Nun, der Verein OFSG ist gut unterwegs. Sicherlich wird unsere wichtigste Aufgabe darin bestehen, Ihnen weiterhin jedes Jahr ein abwechslungsreiches Programm mit spannenden und eindrücklichen Anlässen und Ausflügen präsentieren zu können. Die Zielsetzungen gemäss Statuten bilden uns da die Vorgaben.

Des Weiteren werden wir der Mitgliederwerbung und der Öffentlichkeitsarbeit bestimmt wieder vermehrt Gewicht beimessen müssen, denn die OFSG sind in der Öffentlichkeit ganz einfach zu wenig bekannt. Es erscheint mir daher empfehlenswert, den Verein mittelfristig besser und breiter abzustützen. In Zeiten, wo Kirchen vermehrt geschlossen und/oder verkauft werden, könnte es von grossem Wert sein, wenn die
Orgelfreunde in der Öffentlichkeit als ein für die Erhaltung der Orgellandschaft wichtiger Pfeiler wahrgenommen werden.

Sicher ist Ihnen die etwas andere Aufmachung dieses Bulletins aufgefallen. Das Bulletin wird 2017 viermal erscheinen. In der vorliegenden Ausgabe finden Sie nebst den Unterlagen für die Jahresversammlung auch bereits den vorbereitenden Artikel für unseren Anlass vom 26. April 2017 im Ackerhus in Ebnat-Kappel. Die Einladung werden wir – zusammen mit dem Protokoll der Jahresversammlung – Anfang April versenden.

Wir befassen uns mit dem Gedanken, einen Newsletter per E-Mail zu generieren. Dieser könnte in losen Abständen erscheinen und damit sehr aktuell auch auf bevorstehende regionale Orgelkonzerte hinweisen. Ob dann das Bulletin vielleicht nur noch zweimal im Jahr in gedruckter Form erscheinen wird und ob es weiterhin "Bulletin" heissen soll – das sind Fragen, die uns in nächster Zeit beschäftigen werden. Meinungen dazu aus Ihrem Kreis – wie natürlich auch zu jedem anderen Thema – sind hochwillkommen!

Zum Abschluss noch ein Wermutstropfen: Leider müssen wir Ihnen bereits dieses Jahr eine Erhöhung des Mitgliederbeitrags zur Diskussion stellen. Den entsprechenden Antrag mit Begründung finden Sie in den Unterlagen für die Jahresversammlung.

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude bei der Lektüre des neuen Bulletins und hoffe, Sie am 21. Februar in St. Mangen begrüssen zu dürfen!
Hans Peter Völkle
Präsident OFSG


Bulletin zur Eröffnung des Vereinsjahrs 2017 - Frischer Orgelwind im Toggenburg download.pdf

Frischer Orgelwind im Toggenburg


Alt und neu: Das Ackerhus in Ebnat-Kappel. Foto: eba
Die erste Veranstaltung der OFSG in diesem Jahr führt am 26. April ins Toggenburg. Im Ackerhus in Ebnat-Kappel stehen im neuen Saal zwei Hausorgeln von Melchior Grob (1793) und Heinrich Ammann (1807), die nach einer Restaurierung seit dem letzten Sommer für Konzerte genutzt werden. Vorgestellt werden sie vom Orgelbauer Markus Meier und der Organistin Heidi Bollhalder vom Verein "Windbläss".

Eva Bachmann

"Der grosse Landschaftsgärtner, nachdem er die Elemente geschmolzen und erste Meere ausgeschickt hatte, formte mit Meeresablagerungen kilometerdicke Kalkwellen und zog sie ans Trockene. Darüber aber hatte er sieben Churfirsten geformt, Tasten einer Orgel gleich. Es fehlte der achte Ton, der die Oktave geschlossen und himmlischen Klang ermöglicht hätte." So beginnt die Geschichte des Toggenburger Autors Peter Weber im listigen Video auf der Windbläss-Homepage. Weber fantasiert einen Orgelhund herbei, der dem Handwerker zeigt, wie er den Wind einfangen und mit Holz und Metallen zum Klingen bringen kann. Seine Bedingung: Er will, dass sein Bild verbreitet wird.

Soweit die literarische Gründungsgeschichte des Vereins mit dem orgelspielenden Hund im Logo. Sie könnte auch anders erzählt werden. Windbläss heisst nämlich auch eine Alp auf der Toggenburger Seite des Speers. Der Ort, wo vermutlich viel Wind bläst, gab dem Verein den Namen. Die Version von Präsident Markus Meier lautet so: "Der Wind ist die Seele der Orgel. Und der Toggenburger Bläss ist gewitzt und ein bisschen frech, aber im Grunde gutmütig. Das passt zu uns." Denn Windbläss organisiert Veranstaltungen rund um die Toggenburger Hausorgeln, die manchmal traditionell klingen, gelegentlich aber auch ganz schön knarren, swingen und rappen.

Tradition erhalten und beleben
Der Verein Windbläss wurde 2009 im Bühl in Nesslau gegründet. Im ehemaligen Weblokal stand eine Hausorgel von Wendelin Looser von 1806. Zu schön, um sie ihrem Schicksal zu überlassen, fanden die Erben der Besitzerin Verena Reber. Sie liessen das Instrument restaurieren und versammelten eine Handvoll Enthusiasten, die sich um das Erbe kümmern wollten. Vereinspräsident wurde der Orgelbauer und Musiker Markus Meier, die Organisten Wolfgang Sieber und Heidi Bollhalder und der Kulturhistoriker Jost Kirchgraber zogen mit, dazu Darina Baumann, Rosmarie Giezendanner, Meta Engler, Reto Stäheli und Res Reber. Der Verein "setzt sich für die Erhaltung und Belebung der Toggenburger- Hausorgel-Tradition ein und versucht diese im Kontext der kulturellen Aktualität zu verstehen", heisst es in den Statuten. Dazu gehören selbstverständlich Konzerte, aber auch die Erforschung und Inventarisierung der Instrumente und die Vernetzung mit anderen Organisationen.

"Das Toggenburg ist die wichtigste Hausorgel-Gegend", erklärt Jost Kirchgraber. Wohl existiere die Tradition auch andernorts, etwa im Appenzellerland oder im Emmental, "aber so viele Instrumente auf so engem Raum, das ist einzigartig". Allein im Toggenburg gab es 4 bis 5 Orgelbauer und über 100 Instrumente. Der Grund dafür ist in der Religion zu suchen, allerdings nicht direkt in der Reformation. "Nach der Reformation waren die meisten Kirchen im Toggenburg paritätisch. Dort standen auch noch Orgeln", hält Kirchgraber fest. Die Hausorgeln gehen vielmehr auf den Pietismus zurück, der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkam. Reformierte zogen sich zu privaten geistlichen Sitzungen in die Firstkammern der Häuser zurück. Wohlhabende Lehrer, Ärzte, Wirte, aber auch reiche Bauern konnten sich dazu eine Hausorgel leisten, die Ärmeren spielten die Halszither. Das klassische Repertoire waren geistliche Lieder. Erst im
19. Jahrhundert wurde die Hausorgel auch zum weltlichen Instrument, auf dem zum Tanz aufgespielt wurde.

Sieben Orgeln in einem Haus
Nicht weniger als sieben Hausorgeln stehen heute im Ackerhus in Ebnat-Kappel. Gesammelt hat sie Albert Edelmann (1886–1963), Lehrer im Bergschulhaus Dicken oberhalb von Ebnat. Als er 1952 pensioniert wurde und aus dem Schulhaus ausziehen musste, kaufte er ein Haus in Oberhelfenschwil, baute es in Ebnat-Kappel neu auf und richtete dort seine Sammlung von Orgeln und Zithern, aber auch Möbeln, Gemälden und Kunsthandwerk ein. Das Ackerhus wurde zum bewohnten Heimatmuseum. Nach Edelmanns Tod ging es in eine Stiftung über und wurde von seiner Haushälterin Ida Bleiker geführt, versank aber im Lauf der Jahrzehnte in einen Dornröschenschlaf.

Orgel von Joseph Looser (1800) im Obergeschoss des Museums.   Foto: eba
2008 sollte das Heimatmuseum im Ackerhus entweder liquidiert oder aber wiederbelebt werden. Ein neuer Verein um Jost Kirchgraber setzte sich dafür ein, dass die Sammlung im Tal bleiben konnte. Gewählt wurde eine energische Vorwärts-Strategie: Das Ackerhus erhielt anstelle des ehemaligen Sticklokals einen modernen und funktionalen Anbau mit einem Saal, der vermietet wird und auch rege für Veranstaltungen, Versammlungen und Kurse bis hin zu Klassenzusammenkünften und Hochzeits-Aperos genutzt wird – im alten Hausteil wurde ein stimmungsvolles Hochzeitszimmer eingerichtet. Damit kommt Leben zurück ins Haus, auch ins restaurierte Museum. "Tradition im Kontext der kulturellen Aktualität" könnte man in diesem Sinn auch dem runderneuerten Ackerhus zuschreiben. Das Alte konnte bewahrt werden, gerade weil es diese Verbindung eingeht mit dem Neuen, dem modernen Anbau, der einem zeitgemässen Bedürfnis entspricht.

Der Schub des Aufbruchs im Ackerhus kam auch den Orgeln zugute: Zwei der Instrumente stehen im neuen Saal, sie wurden für 100'000 Franken restauriert und sind spielbar, auf einer weiteren im Museum dürfen sogar Besucherinnen und Besucher den Klang ausprobieren. Der Verein Windbläss als Veranstalter und Vernetzer in Sachen Hausorgel hat das Vorhaben tatkräftig unterstützt und seither seine Aktivitäten auch vermehrt ins Ackerhus verlagert: "Ein Hausorgel-Paradies", nennt es Markus Meier. Für das neue Konzertlokal wurde denn auch auf eine gute Akustik geachtet, die Wände sind zum Teil mit Lochbrettern verkleidet. Der Raum klingt etwas nach, hat aber keinen Hall. Und auch wenn er gut besetzt sei, bleibe der Klang erhalten.

Plastisch gestaltete, konkav und konvex
gewölbte Pfeifenfelder der Ammann-Orgel.
Foto: Markus Meier

Zwei unterschiedliche Instrumente

"Für die beiden Orgeln ist der Raum perfekt", sagt Markus Meier. Man fühlt sich darin geborgen und nah am Geschehen, auch wenn er etwas grösser ist als die Firstkammern in den Toggenburger Häusern. Blickfang und wahrer Raumschmuck ist das Instrument von Heinrich Ammann von 1807. Schon im geschlossenen Zustand, aber erst recht, wenn man die Flügel öffnet und den ausnehmend schönen Prospekt zu Gesicht bekommt. Die zweigeschossigen Pfeifenfelder hat Ammann übrigens bei Grob abgeschaut, darauf ist Markus Meier bei seinen Forschungen gestossen. Von eben diesem Melchior Grob stammt die zweite Orgel im Raum, gebaut 1793. Sie wirkt äusserlich unscheinbarer, ist aber vom Klang her das grössere Instrument. Mit je zwei Acht- und Vierfussregistern klingt sie grundtöniger und voller und könnte deshalb auch als Kirchenorgel eingesetzt worden sein.


Die beiden Orgeln im Vergleich:
Grob 1793                                                            Ammann 1807
Manual C – e'''                                                       ManualC – f'''
Cüpel 8'                                                                 Copl 8'
Prinzipal 8' (ab c')                                                   
Flaute 4'                                                                 Blokflaut 4'
Prinzipal 4'                                                             Süssflaut 4' (Spitzflaut)
Mixtur 2 2/3' (ab c' 2fach)                                      Princibal 2'
                                                                              Oktav 2'
Ocdaf 1'                                                                 Mixdur1' 

Blick in den Saal im Ackerhus mit der
Grob-Orgel links und der Ammann-Orgel rechts. Foto: eba
Für Ensembles mit historischen Instrumenten eignet sich die Grob-Orgel besser, weil sie auf 415 Hz gestimmt ist. Ansonsten aber haben die Organisten die Qual der Wahl. Die zwei Orgeln haben ihre je eigene Charakteristik, aber auch ihre Macken. Ganz einfach zu spielen sind sie jedenfalls beide nicht. Gerade die Koordination mit dem Fusspedal für den Wind braucht etwas Übung, man muss ordentlich treten. Markus Meier bringt es trocken auf den Punkt: "Die Hausorgeln sind einmanualige Positive mit kleinem Umfang und erst noch schwer zu spielen – kein Traum für einen Organisten." Der Wert der Hausorgeln liegt in ihrer kulturhistorischen Bedeutung und der grossen Handwerkskunst.

Traditionelle und experimentelle Klänge
Als Musiker ist Meier fasziniert davon, was sich klanglich aus den Instrumenten herausholen lässt. Neben den traditionellen Konzerten mit Streichmusik, Handörgeli und Hackbrett sucht der Verein Windbläss experimentierfreudig nach Verbindungen mit einer moderneren Klangsprache. So wurde auch schon eine eigene Fassung von "Rrrrrrr" von Mauricio Kagel aufgeführt, zur Lesung von Gerold Späth hat der Audio- Designer Stefan Baumann die Klänge aus dem Innern elektronisch verfremdet und für das neue Programm ist ein Abend mit Musik und Theater in Planung.

An der Veranstaltung der St. Galler Orgelfreunde wird die Organistin Heidi Bollhalder die beiden Orgeln von Grob und Ammann musikalisch zur Geltung bringen. Jost Kirchgraber und Markus Meier steuern vertiefte Informationen zu historischen Hintergründen und zu den beiden Instrumenten bei. Orgelfreundinnen und -freunde sind herzlich eingeladen.

26. April, 19.30 Uhr, Ackerhus, Ebnat-Kappel (separate Einladung folgt)

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